Beschreibung
Eines der größten Automaticwerke von Citizen ist das 13-linige Kaliber Citizen 4103, ein frühes Automatic-Kaliber aus den 1960er Jahren, das seine konstruktive Ähnlichkeit zum schweizer FHF 65, das im Gegensatz zum Citizen-Werk nicht sonderlich erfolgreich war, nicht verhehlen kann.
Die Besonderheit des Werks liegt in der Art seines Selbstaufzugs, hier wurde ein außenliegender Ringrotor verwendet.
Die bloße Grundplatine zeigt noch keine Besonderheiten, abgesehen davon dass sogar das Minutenrad steingelagert ist. Einzig der relativ weit innenliegende Kronenaufzug ist auffällig, ebenso die beiden weit herausstehenden Schrauben, mit denen die weit innenliegenden Zifferblattfüße fixiert wurden.
Das Citizen 4103 nutzt den klassischen Räderwerksaufbau, bei dem das große Federhaus das zentrale Minutenrad direkt antreibt, welches unter einem eigenen Kloben gelagert ist. Dessen Befestigung nutzt sogar zwei Schrauben!
Das restliche Räderwerk ist ganz konventionell aufgebaut, mit Kleinbodenrad, Zentralsekundenrad und Ankerrad, in welches die Palettenankerhemmung eingreift.
Als Gangregler wird eine schraubenlose, zweischenklige Glucydur-Ringunruh verwendet, damals topmodern.
Sie arbeitet noch mit langsamen 18.000 Halbschwingungen pro Stunde, kann nur direkt am Spiralschlüssel reguliert werden und ist in zwei hauseigenen Parashock-Stoßsicherungen gelagert.
Sehr altmodisch ist, dass der Spiralklötzchenträger noch nicht beweglich ausgeführt, sondern Teil des Unruhklobens ist. In den 1960er Jahren war das eigentlich nicht mehr Stand der Technik.
Wenn man die Räderwerksbrücke montiert, sieht man schön die drei Rubin- und zwei Metalllager für den Automatic-Aufzug. Die lange Feder, die von der Mitte des Kronrads ausgeht, wirkt auf die Sperrklinke der Automatic ein.
Der Automaticaufzug besteht aus zwei ineinandergreifenden Rädern, wobei das rechte durch die Sperrklinke am Drehen gegen den Uhrzeigersinn gehindert wird. Je nach Drehrichtung des Rotors greift er über ein Übertragungsrad in das linke oder rechte Rad ein, mit der Folge, dass sich die beiden nachfolgenden Reduktionsräder stets in dieselbe Richtung drehen, egal, in welche Richtung der Rotor rotiert.
Anders als beim Räderwerk, wird für die Automatic eine Pfeilerkonstruktion genutzt.
Alle vier Räder der Automatic und sogar die Sperrklinke sind auf der sichtbaren Werksseite rubingelagert. Auf der nicht sichtbaren Unterseite wurden für das letzte Reduktionsrad und die Sperrklinke nur Metalllager verwendet, eine kleine Schummelei.
Der Ringrotor läuft in einem Kugellager mit 9 Kugeln und wird mit drei Schrauben an der Automaticbrücke befestigt. Man sieht hier schön den kleinen Ausschnitt, in den das fliegend gelagerte Übertragungsrad eingereift.
Auf der noch weitgehend leeren Zifferblattseite kann man bei 2 Uhr einen Hebel erspähen. Dieser sorgt dafür, dass wenn die Krone über die Zeigerstellposition hinaus gezogen wird, der Datumsring eine Position weitergeschaltet wird - eine sehr moderne und effiziente Art der Schnellkorrektur.
Der eigentliche Datumsmechanismus des Citizem 4103 folgt gewohnten Standards. Er sorgt dafür, dass das Datum langsam schaltet, und dass bei manueller Korrektur über die Krone bzw. beim Zurückdrehen der Zeit über Mitternacht hinaus sich das Datum nicht rückwärts verstellt.
Für die Wochentagsindikation wird ein zweites 24h-Zahnrad genutzt, welches einen kleinen Dorn besitzt. Dieser greift in die sternförmige Verzahnung auf der Unterseite der Wochentagsscheibe ein und schaltet diese pro Tag einen Position weiter.
Beim Zurückdrehen über Mitternacht hinaus wird auch der Wochentag nicht rückwärts gestellt, so dass auch hier eine Art Schnellverstellung möglich ist.
Typisch für dieses Citizen-Werk ist, dass der Wochentag waagerecht auf 12 Uhr angezeigt wird.
Im Labor
Das vorliegende Exemplar ist zwar vollständig, zeigt aber an so ziemlich allen nur denkbaren Stellen Probleme,
die möglicherweise systembedingt sind. So ist das Kugellager des Rotors inzwischen stark ausgeleiert, der Rotor
hat entsprechend Spiel und erzeugt Lärm.
Der Winkelhebel ist nur gesteckt nicht geschraubt, was dazu führt, dass man die Krone durch stärkeres Ziehen, so wie
es für die Datumskorrektur nötig ist, ganz aus dem Werk ziehen kann.
Weiterhin krankt der Datumsmechanismus an einer erschlafften Vernietung des Übertragungsrads zwischen
Stundenrad und Schaltrad, der Dorn des 24h-Rads für den Wochentag ist verbogen, und der vorherige
Uhrmacher hat das seltene Kunststück fertiggebracht, so gut wie jede Schraube falsch zu setzen und zu
vertauschen und sogar Schrauben zu verlieren (Wochentagsschaltrad).
Da auch die Unruhspirale erschlafft ist, was sehr ungewöhnlich ist, war es nicht möglich, Ergebnisse auf der Zeitwaage zu erhalten.
Technische Daten
| Hersteller: | Citizen |
| Kaliber: | 4103 |
| Größe: | 13''' (gemessen: 29,3mm) |
| Halbschwingungen pro Stunde: | 18000 |
| Anzahl Steine: | 25 |
| Hemmung: | Anker |
| Unruh-Ausführungen: | Glucydur-Ringunruh (zweischenklig) |
| Stoßsicherung(en): | Parashock (Citizen) |
| Unruhlagerung / Richtung Spirale: | Gegenuhrzeigersinn |
| beweglicher Spiralklötzchenträger: | nein |
| Regulierorgan: | Spiralschlüssel |
| Werksaufbau: |
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| Bauweise: | Massivbau |
| Aufzugstyp: | Kupplungsaufzug |
| Winkelhebelfeder: | 2 Löcher |
| Befestigung Winkelhebel: | gesteckt |
| Ausstattung: |
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| Produktionszeitraum: | 1964-???? |
| Referenzen: | Flume: K3 264 |
| Inventarnummer: | 24032 |















