Movado 220M

 
Movado 220M

Movado 220M

Beschreibung

Bevor Felsa in den 40er Jahren den beidseitig aufziehenden Rotor erfand gab es diverse Konstruktionen für Selbstaufzüge. Recht häufig wurde der Harwood-Typ verwendet, die sogenannte Pendelautomatic, auch Hammerautomatic genannt.

Anfang der 1940er Jahre brachte Movado sein erstes Automaticwerk auf den Markt, eben eine solche Pendelautomatic, die mit 12 3/4 Linien Durchmesser für die damalige Zeit ungewohnt groß war.

Grundplatine

Grundplatine

Die Grundplatine verrät, daß hier ein reguläres Handaufzugswerk als Basis verwendet wurde, jedoch die Grundplatine vergrößert wurde, um den Platz für das Rotorgewicht und die beiden Puffer zu schaffen.

Räderwerk

Räderwerk

Die Räder, ausgenommen Minutenrad und Federhaus, sind alle in Steinen gelagert.

Anders, als bei dem meisten Handaufzugswerken ist das Räderwerk im Gegenuhrzeigersinn (von der Werksseite aus gesehen) aufgebaut.

Seitenansicht des Räderwerks

Seitenansicht des Räderwerks

Der Räderwerksaufbau ist üblich für die damalige Zeit, mit direkt angetriebenem Minutenrad aus der Mitte, mit Kleinbodenrad, Sekundenrad und Ankerrad.

Sekundenindikation

Sekundenindikation

Die Zentralsekunde wird indirekt über den äußeren Zahnkranz des Kleinbodenrads angetrieben. Dadurch, daß das Kleinbodenrad hierfür durch die Räderwerksbrücke eingefädelt werden muß, ist die Montage der vier Räder (exklusive Sekundenrad) unter der Räderwerksbrücke so schwierig und zeitaufwändig wie bei kaum einem zweiten Werk.

Movado 220M ohne Automatic

Movado 220M ohne Automatic

Die Zentralsekundenwelle ist beidseitig gelagert und wird über eine Blattfeder am Flattern gehindert. Optisch und auch technisch eine wahrlich schöne Konstruktion.

Ebenso schön ist die goldfarbige Glucydur-Schraubenunruh anzusehen, die mit 18000 Halbschwingungen pro Stunde arbeitet. Daß sie ausgerechnet bei einem Hammerautomatic-Werk, das permanenten Erschütterungen ausgesetzt ist, nicht stoßgesichert ist, trübt ein wenig das Bild des ansonsten vorbildlich verarbeiteten Werks.

Kupplungsrad

Kupplungsrad

Auf der Welle des Federhauses sitzt auf dem eigentlichen Sperrad das Kupplungsrad, bestehend aus einem Zahnrad mit einer federnd gelagerten Klinke und einem eigenen Sperrrad, welches im Eingriff mit der Federhauswelle steht. Diese Konstruktion sorgt dafür, daß beim Handaufzug, wenn das innere Sperrad im Gegenuhrzeigersinn gedreht wird, das Kupplungsrad nicht angetrieben wird, und so eine Entkoppelung des Automaticmechanismus stattfindet.

Räderwerk Automaticmechanismus

Räderwerk Automaticmechanismus

Der Automaticmechanismus ist mit gleich zwei Sperrklinken sehr aufwändig ausgeführt. Der Rotor treibt im Uhrzeigersinn das zentrale Aufzugsrad an, und über drei Reduktionsstufen wird die Energie zum Federhaus-Kupplungsrad übertragen. Die Sperrklinke der ersten Reduktionsstufe sorgt dafür, daß der Rotor im Gegenuhrzeigersinn frei läuft.

Seitenansicht des Automatic-Räderwerks

Seitenansicht des Automatic-Räderwerks

Der Aufbau der Automatik-Kadratur ist relativ hoch. Bis auf das zentrale Aufzugsrad werden in ihr keine Lagersteine verwendet.

Rotor

Rotor

Der Rotor besteht neben der eigentlichen Schwungmasse aus einem frei beweglichen Zahnrad, einer Sperrklinke, die dafür sorgt, daß das Zahnrad nur in eine Richtung bewegt wird, und einer Feder für die Sperrklinke. Schon daran erkennt man, was für ein Aufwand bei dieser Konstruktion getrieben wurde, und wieso solche Pendelaufzüge auch recht schnell wieder von der Bildfläche verschwanden.

Movado 220M Zifferblattseite

Movado 220M Zifferblattseite

Die Zifferblattseite ist durch ihre Perlierung ein weiteres Highlight dieses Werks! Natürlich wird hier ein Kupplungsaufzug verwendet.

Im Labor

Das hier vorgestellt Werk kam vermutlich ausgeschalt aus einer Golduhr in gutem Zustand ins Labor, daher war keine Revision notwendig. Nichtsdestotrotz ist es sehr bedauerlich, daß dieses Werk nicht wertgeschätzt wurde und für ein paar wenige Euro seines Gehäuses beraubt wurde - nach fast 80 Jahren!

Zeitwaagen-Ergebnis

Mit Ausnahme des einen Ausreißers bei 6 Uhr sind die Gangwerte auf der Zeitwaage exzellent, noch besser geht es fast nicht. Die hohe Qualität des Werks zeigt sich also nicht nur in seiner Optik, sondern auch auf der Zeitwaage.

horizontale Lagen
Zifferblatt oben -1 s/Tag 284° 0.2ms
Zifferblatt unten +9 s/Tag 272° 0.5ms
vertikale Lagen
Krone rechts (12 oben) -9 s/Tag 225° 0.9ms
Krone oben (3 oben) +11 s/Tag 233° 0.6ms
Krone links (6 oben) +37 s/Tag 222° 0.1ms
Krone unten (9 oben) -1 s/Tag 230° 0.4ms

Technische Daten

Hersteller:Movado
Kaliber:220M
Größe:12 3/4''' (gemessen: 29,2mm)
Halbschwingungen pro Stunde:18000
Anzahl Steine:15
Hemmung:Anker
Unruh-Ausführungen: Glucydur-Schraubenunruh
Stoßsicherung(en): keine
Unruhlagerung / Richtung Spirale:Gegenuhrzeigersinn
beweglicher Spiralklötzchenträger:nein
Regulierorgan:Rückerzeiger mit langem Arm
Werksaufbau:
  • Anker
  • Kleinbodenrad, Sekundenrad, Kleinbodenrad, Minutenrad
  • Zentralsekundentrieb
  • Federhaus
Bauweise:Massivbau
Aufzugstyp:Kupplungsaufzug
Winkelhebelfeder:3 Loch/Löcher
Ausstattung:
  • SCI (indirekte Zentralsekunde)
  • AUT (Automatikaufzug)
Referenzen: Flume: 1949 II 103
Inventarnummer:17023

Anwendungsgalerie

Movado Automatic Herrenuhr  (ohne Gehäuse und Zeiger)

Movado Automatic Herrenuhr (ohne Gehäuse und Zeiger)