Beschreibung
Dieses wunderschöne, “A.E.S.” gemarkte 11 1/2 linige Kaliber ist nicht einfach zu identifizieren, es ist aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Zenith 12 NVSI, das zwischen 1904 und 1926 gebaut wurde. Das vorliegende Exemplar müsste laut Seriennummer zwischen 1911 und 1913 hergestellt worden sein.
Wie man anhand der goldfarbenen Grundplatine mit ihren gefaßten Steinen erkennen kann, handelt es sich hier um ein hochwertiges Werk. Interessanterweise sind alle Lagersteine auf der Grundplatine durchsichtig, während sie auf den von außen sichtbaren Brücken und Kloben rubinrot ausgeführt sind.
Das Zenith 12 NVSI nutzt einen sogenannten Negativaufzug, der werkkseitig auf der Grundplatine platziert ist. Ausgangsstellung ist die gezogene Krone. Hier ist das Kupplungstrieb mit dem zifferblattseitigem Zeigerstellrad im Eingriff. Wird die Krone nun hineingedrückt, und das Ende der Kronenwelle bewegt den Hebel, so wird durch eine Umlenkschaltung das Kupplungstrieb nach außen geschoben und gelangt so mit der Breguetkupplung des Aufzugs in Eingriff.
Der Räderwerksaufbau ist ganz klassisch: Federhaus, zentrales Minutenrad, Kleinbodenrad, dezentrales Sekundenrad auf 6 Uhr (Savonetten-Konstruktion, also 90° zur Kronenwelle) und Ankerrad.
Das Ankerrad ist hierbei unter einem eigenen Kloben gelagert; Sekunden- und Kleinbodenrad teilen sich einen weiteren Kloben, und das Lager des Minutenrads ist Teil der Räderwerksbrücke.
Der Anker des Zenith 12 NVSI ist besonders hochwertig ausgeführt, seine Kanten sind allesamt angliert.
Die Unruhpartie ist ebenfalls sehr aufwändig und gut ausgeführt, es kommt eine Bimetall-Schraubenunruh zum Einsatz, die mit 18.000 Halbschwingungen pro Stunde arbeitet. An ihr ist eine Spirale mit gebogener (Breguet-)Endkurve befestigt, um Lagefehler auszugleichen.
Die effektive Länge der Spirale wird mit Hilfe einer Kurvenscheibe, unterstützt durch eine Art Schwanenhals-Feder, gesteuert wird, reguliert.
Die Bimetall-Ausführung mit ihren Schlitzen soll die temperaturbedingten Änderungen der Spirale kompensieren.
So viel das Werk auch werksseitig hermacht, zifferblattseitig kommt es sehr unspektakulär daher, auch das Unruhlager wird nur mit einem einfachen Deckplättchen plus Deckstein überdeckt. Da sich der Aufzugsmechanismus auf der Innenseite befindet, ist die Zifferblattseite mit Ausnahme des Wechselrads sonst leer.
Im Labor
Zeitwaagen-Ergebnis
Leider zollt das Alter der Ganggenauigkeit ihren Tribut, trotz Schraubenunruh und Feinregelage läuft es nicht in der eigentlich zu erwartenden Chronometergenauigkeit. Nichtsdestotrotz sind die Gangwerte ziemlich gut für ein über 100 Jahre altes Werk, das seines Gehäuses (vermutlich aus Gold) beraubt wurde.Da der Hebewinkel nicht bekannt ist, ist es wahrscheinlich, dass die Amplituden zu hoch gemessen wurden. Die Werte, gemessen mit den standardmäßigen 52°, legen diesen Verdacht nah.
| horizontale Lagen | |||
|---|---|---|---|
| Zifferblatt oben | +-0 s/Tag | 342° | 1.7ms |
| Zifferblatt unten | +-0 s/Tag | 334° | 1.9ms |
| vertikale Lagen | |||
| Krone rechts (12 oben) | -10 s/Tag | 322° | 2.0ms |
| Krone oben (3 oben) | -8 s/Tag | 316° | 2.0ms |
| Krone links (6 oben) | -8 s/Tag | 318° | 3.0ms |
| Krone unten (9 oben) | -17 s/Tag | 324° | 1.7ms |
Technische Daten
| Hersteller: | Zenith |
| Kaliber: | 12 NVSI |
| Größe: | 11 1/2''' (gemessen: 26,3mm) |
| Halbschwingungen pro Stunde: | 18000 |
| Anzahl Steine: | 17 |
| Hemmung: | Anker |
| Unruh-Ausführungen: | Bimetall-Schraubenunruh (zweischenklig) |
| Stoßsicherung(en): | keine |
| Unruhlagerung / Richtung Spirale: | Uhrzeigersinn |
| beweglicher Spiralklötzchenträger: | nein |
| Regulierorgan: | Rückerzeiger mit langem Arm / Schwanenhals |
| Werksaufbau: |
|
| Bauweise: | Massivbau |
| Aufzugstyp: | spezieller Aufzugstyp |
| Inventarnummer: | 24023 |







