UMF 24-35

 
UMF 24-35 | Das Uhrwerksarchiv

UMF 24-35

Beschreibung

Karl Rexer, der Pforzheimer Generalimporteur für DDR-Uhren wollte um 1970 einen billigen Möchtegern-Chronographen in sein Programm mit aufnehmen. Dieser sollte ursprünglich gar keine echte Stoppfunktion besitzen, sondern wie bei anderen Fake-Chronographen nur das Werk anhalten und wieder starten

UMF 24-35: Ausführung "A"

Ausführung "A"

Die Ingenieure der UMF in Ruhla, die hierfür die Werke liefern sollten, wollten diesen “Fake” nicht mitmachen und konstruierten so auf die Schnelle eine einfache, aber funktionale Version eines Chronographen, das Kaliber UMF 24-35.

UMF 24-35: Grundplatine

Grundplatine

Als Basiskaliber fungierte das bereits hochgradig automatisiert gefertigte, steinlose Kaliber 24, ein 10 1/2 liniges Stiftankerwerk in Pfeilerbauweise, das konstruktiv bis in die 1930er Jahre zurückreicht.

UMF 24-35: Räderwerk

Räderwerk

Entsprechend konventionell ist auch der Räderwerksaufbau mit direkt angetriebenem Minutenrad, Kleinbodenrad, dezentralem Sekundenrad auf 6 Uhr und Ankerrad.

Die werksseitige Achse des Kleinbodenrads ist verlängert, sie dient zum Antrieb der indirekten Zentralsekunde, dessen Trieb hier mit einem Herzscheibe zur Nullstellung ausgestattet ist.

UMF 24-35: Mitnehmerrad

Mitnehmerrad

Auf besagter Achse des Kleinbodenrads befindet sich das Mitnehmerrad, welches in das Zentralsekundentrieb eingreift. Die Konstruktion ist im Prinzip dieselbe wie beim UMF 24-32, allerdings ist das Mitnehmerrad hier nicht steif, sondern mit einer Rutschkupplung versehen.

UMF 24-35: Unterseite Mitnehmerrad

Unterseite Mitnehmerrad

Die Rutschkupplung, die sich auf der Achsenhülse befindet, überträgt mir ihren drei federnden Armen die Kraft auf den beweglichen Zahnkranz, welcher wiederum in das Zentralsekundentrieb eintreift.

Beim UMF 24-35 kann nun mit Hilfe eines Hebels (in Versionen A und B aus Metall, später aus Plastik) den Zahnkranz anhalten, und damit auch die Zentralsekunde stoppen.

Damit nun aber nicht das ganze Uhrwerk blockiert wird, kommt die Rutschkupplung ins Spiel, welche sich mit etwas Widerstand auf der Achse weiterdreht, aber nicht genug Kraft aufbringen kann, um diese auf den Zahnkranz zu übertragen.

Das ganze Spiel geht auch nur so lange, bis der Stopphebel wieder losgelassen wird, und die Kraft von der Achse auf den Zahnkranz übertragen werden kann.

Dieser Mechanismus wurde sogar zumindest in den USA und in der Schweiz patentiert.

UMF 24-35: Seitenansicht des Räderwerks

Seitenansicht des Räderwerks

Als Unruh kommt wie gewohnt die dreischenklige, schraubenlose Ringunruh mit Körnerlagerung (daher auch keine Stoßsicherung notwendig) zum Einsatz. Sie arbeitet mit 18000 Halbschwingungen pro Stunde, die mehr oder weniger effektiv am Spiralschlüssel justiert werden können und reguliert ein Stiftankerwerk.

UMF 24-35: Werk ohne Chronographen-Bauteile

Werk ohne Chronographen-Bauteile

Der Chronographenmechanismus besteht nur aus wenigen Bauteilen die mit wenig Aufwand auf die Räderwerksbrücke in ihre entsprechenden Aussparungen gesteckt werden können.

Noch billiger wird man wohl keinen Chronographenmechanismus umsetzen können.

UMF 24-35: UMF 24-35: Zifferblattseite

UMF 24-35: Zifferblattseite

Zifferblattseitig gibt es beim UMF 24-35 keinerlei Besonderheiten, mit der Ausnahme, dass dieses Werk eigentlich zwei Sekundenanzeigen hat, einmal auf 6 Uhr, und einmal die Zentralsekunde, die, wie gesagt, kurzzeitig zu Stopp-Zwecken angehalten und/oder auf 0 zurückgesetzt werden kann, letzteres sogar im laufenden Betrieb, auch “Flyback” genannt.

Im Labor

Das Werk auf der Zeitwaage ist jenes in der Ausführung "C", also dem im Detail gezeigten Werk. Es bekam einen einfachen Service spendiert, der aber leider nicht viel brachte.

Zeitwaagen-Ergebnis

Wie leider bei Kaliber 24 so oft, sind auch hier die Gangwerte sehr bescheiden und lassen sich auch nicht verbessern. Die zahlreichen Uhrmacherzeichen im Boden des “Ruhla Chronograf” sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache.
Mit angehaltener Stoppfunktion bricht die Amplitude nochmal um etwa 60° ein.

horizontale Lagen
Zifferblatt oben -200 s/Tag 152° 0.5ms
Zifferblatt unten +-0 s/Tag 240° 0.7ms
vertikale Lagen
Krone rechts (12 oben) > +500 s/Tag 140° 0.8ms
Krone oben (3 oben) > +400 s/Tag 177° 1.5ms
Krone links (6 oben) -10 s/Tag 206° 0.4ms
Krone unten (9 oben) +30 s/Tag 131° 2.1ms

Technische Daten

Hersteller:UMF
Kaliber:24-35
Basiskaliber:UMF 24-30
Größe:10 1/2'''
Halbschwingungen pro Stunde:18000
Hebewinkel:60°
Hemmung:Stiftanker
Unruh-Ausführungen: Nickel-Ringunruh
Stoßsicherung(en): keine
Unruhlagerung / Richtung Spirale:Uhrzeigersinn
beweglicher Spiralklötzchenträger:nein
Regulierorgan:Spiralschlüssel
Werksaufbau:
  • Anker
  • Ankerrad (Hemmungsrad), Sekundenrad, Kleinbodenrad, Minutenrad, Federhaus
Bauweise:Pfeilerbauweise
Aufzugstyp:Wippenaufzug
Ausstattung:
  • s (dezentrale Sekunde)
  • CHR (Chronograph)
Produktionszeitraum:1970 - 1978
Referenzen: Flume: K3 66
Inventarnummer:18018

Anwendungsgalerie

UMF 24-35: Ruhla Stopp-Meister (KW 35 1970) in Ausführung A

Ruhla Stopp-Meister (KW 35 1970) in Ausführung A

UMF 24-35: Ruhla Chronograf (KW 45 1973) in Ausführung C

Ruhla Chronograf (KW 45 1973) in Ausführung C

Links

Patente

Dieses Werk samt Uhr wurde sowohl von Katja, als auch von Marco Bublitz dem Uhrwerksarchiv überlassen. Ganz herzlichen Dank dafür!