China R16-1

 
sdfsdf

China R16-1

Beschreibung

In den 90er Jahren überschwemmten chinesische Werke den Markt, oft eingebaut in Uhren, die nach viel mehr aussehen sollten, als sie letztenendes boten. Aus dieser Zeit stammt das chinesische R16-1, das neben einem interessant konstruierten Automaticaufzug auch ein Großdatum (von 00 bis 39) bot, sowie diverse unnütze Anzeigen wie eine Tag/Nacht-Scheibe (nicht zu verwechseln mit einer Mondphasen-Anzeige!) und drei Hilfszifferblätter mit einer 24-Stunden-Anzeige, einer Minutenanzeige und einer Sekundenanzeige (zusätzlich zur zentralen Sekundenanzeige).

Grundplatine

Grundplatine

Die undekorierte Grundplatine läßt den grundsätzlichen Räderwerksaufbau mit indirekt geführtem Zeigerwerk schon erahnen. Daß alle wichtigen Lager mit Steinen ausgestattet sind, ist auch bei China-Werken selbstverständlich.

Räderwerk

Räderwerk

Wie bei vielen modernen Werken, ist auch beim R16-1 das Großbodenrad mit einer Rutschkupplung versehen, da es zifferblattseitig zum Antrieb der Zeitindikationen verwendet wird. Auf diese Weise kann auf das direkt angetriebene zentrale Minutenrad verzichtet und Unruh und Federhaus mehr Platz eingeräumt werden.

Seitenansicht des Räderwerks

Seitenansicht des Räderwerks

Die vierschenklige Ringunruh, die in zwei chinesischen Stoßsicherungen gelagert ist, schlägt mit eher langsamen 21600 Halbschwingungen pro Stunde.

weitere Seitenansicht, mit indirekter dezentraler Sekunde

weitere Seitenansicht, mit indirekter dezentraler Sekunde

Die erste Besonderheit dieses Werks ist, daß es auf 9 Uhr eine dezentrale kleine Sekunde bietet. Hierfür treibt das Kleinbodenrad einen federnd gelagerten Sekundentrieb an, der dieslbe Verzahnung besitzt, wie das Trieb der Zentralsekunde. Diese Komplikation ist zwar unnütz, aber man kann durch sie schonmal ein Hilfszifferblatt befüllen.

Werk ohne Automaticmechanismus

Werk ohne Automaticmechanismus

Die Oberseite der Räderwerksbrücke ist mit Steinen geradezu verschwenderisch ausgestattet, was daran liegt, daß sie alle unteren Lager des Automaticmechanismus stellt.

Da das R16-1 keine Breguetkupplung im Aufzug nutzt, muß dieser anderweitig enkoppelt werden, das passiert über ein rutschend gelagertes Kronrad. Eine durchaus interessante Lösung, die nur dann problematisch ist, wenn man die Uhr auf dem Kopf stehend aufziehen will, denn in dem Fall sorgt die Schwerkraft dafür, daß das Kronrad ausgekuppelt bleibt.

Detail: Gesperr

Detail: Gesperr

Wesentlich eleganter gelöst ist das Gesperr, das aus einer Sperrfeder unterhalb des Sperrads besteht. Diese Konstruktion hat den großen Vorteil, daß sie ohne “fliegende” Teile, sprich, Federn, auskommt.

Automatic-Räderwerk

Automatic-Räderwerk

Das Räderwerk des Automaticmechanismus besteht aus zwei Klinkenrädern mit Rollengesperr, Typ Gyroton (wie bei Girard Perregaux) und zwei Reduktionsrädern.

Die beiden Klinkenräder sorgen dafür, daß der Rotor in beiden Richtungen aufzieht und daß er beim Handaufzug entkoppelt wird. Sie bestehen aus einem Rad, in das innen fünf runde, flache Rubinplättchen eingearbeitet sind, die mit dem Trieb in Kontakt stehen und in einer Drehrichtung durchrutschen (Freilauf) und in anderen Richtung genug Widerstand aufbauen, so daß die Kraftübertragung zwischen Rad und Trieb erfolgt.

Klinkenrad

Klinkenrad

Daß das R16-1 hier so einen Aufwand treibt, und sogar mit einem kugelgelagerten Rotor aufwarten kann, ist ungewöhnlich, macht dieses Werk gleichzeitig aber auch interessant. Leider ist die Ausführung des Kugellagers nicht gut gelungen, wenn die zentrale Befestigungsschraube fest angezogen wird, gibt das Kugellager soweit nach, daß es blockiert.

Unterseite Rotor

Unterseite Rotor

Der Rotor selber besitzt einen aufgenieteten Schwermetallring.

Ansicht mit abgenommenem Rotor

Ansicht mit abgenommenem Rotor

Die eigentliche Besonderheit des R16-1 liegt aber auf der Zifferblattseite mit ihren Komplikationen. Ohne diese sieht sie noch recht aufgeräumt aus und auch ihr Durchmesser ist noch kleiner, als später beim Werk mit Datumsindikation.

leere Zifferblattseite

leere Zifferblattseite

Man erkennt auf 3 Uhr bereits die 60-Minuten-Indikation, die zwar keinerlei Sinn ergibt, aber für einen zusätzlichen Zeiger auf dem Blatt sorgt. Ihre Verzahnung ist identisch mit dem Minutenrohr, sie wird durch das Wechselrad angetrieben und dient gleichzeitig als Übertragungsrad vom Kupplungsaufzug. Eigentlich eine recht geniale Lösung.

leeres Datumsmodul

leeres Datumsmodul

Die Datumsanzeige wird als Modul mit größerem Durchmesser auf die Zifferblattseite aufgesetzt, die beiden Hilfszeiger auf 3 und 9 Uhr werden über entsprechende Löcher nach außen geführt. Bei 5:30 Uhr erkennt man den Antrieb für die 24h-Anzeige auf 6 Uhr. Dieser greift in das Stundenrad ein.

Datumsmechanismus

Datumsmechanismus

Die 24-Stunden-Scheibe besitzt einen Trieb, auf den der 24h-Zeiger aufgesetzt wird. Zentral sitzt das Schaltrad mit einem beweglichen Nocken, der über einen Schaltstift bewegt wird. Dieser Nocken greift in das Sternrad bei 1 Uhr ein und schaltet das Datum langsam weiter. Diese Konstruktion ist leider instabil, bei Verwendung der manuellen Datumsfortschaltung (Hebel bei 1 Uhr) kann der Datumsmechanismus so verstellt werden, daß er beispielsweise mittags (24h-Zeiger auf 12:00 Uhr, nicht auf 24 Uhr) das Datum weiterschaltet. Der Grund ist, daß der Schaltnocken vertikal nicht ausreichend mit Zahnrad verbunden ist und bedingt durch sein Höhenspiel durchrutscht. Zudem ist auch das Sternrad sehr instabil gelagert, so daß es gerne die Weiterschaltung, egal, ob manuell oder per Schaltnocken, blockiert.

Ein ebenfalls wenig zuverlässiger Mechanismus ist die Zehnerfortschaltung des Großdatums: Hier greift ein kleiner Schaltfinger am Außenrand der Einer-Scheibe in das eingeschnittene Zehnerrad ein:

Unterseite Einer-Datumsscheibe

Unterseite Einer-Datumsscheibe

Dieser Eingriff funktioniert nur dann, wenn beide Scheiben auf exakt derselben Höhe und ohne jedes Spiel sind - in der Praxis ist das nicht der Fall, insbesondere die Einer-Scheibe besitzt ein beträchtliches Höhenspiel und so funktioniert die Weiterschaltung der Zehnerstelle oft nicht mehr.

China R16-1 Zifferblattseite

China R16-1 Zifferblattseite

Das R16-1 zeigt recht deutlich auf, wieso chinesische Werke einen schlechten Ruf haben: Sie versprechen sehr viel (teilweise mit unsinnigen Features), halten aber wenig, bedingt durch mangelhafte Konstruktionen oder schlechte Ausführung. Vor allem die Datumskonstruktion ist durch die vielen Verarbeitungsmängel unbrauchbar!

Im Labor

Das vorliegende Exemplar wurde einige Zeit getragen (erkennbar an einer völlig angelaufenen Krone), mußte wegen schlechter Gangeigenschaften und Kontaminierung mit Metallspänen gereinigt werden. Die Gangwerte sind dennoch eher bescheiden. Die Datumsanzeige funktioniert nur sporadisch, aufgrund der schon oben aufgelisteten Verarbeitungsprobleme.

Einer Regulierung entzog sich dieses Werk, ebenfalls aufgrund der schlechten Verarbeitung: Nach einer recht passablen, aber langwierigen Justierung geriet das Werk, verursacht durch einen kleinen Stoß, wieder soweit außer Takt, daß eine komplette Neujustierung notwendig gewesen wäre. Aufgrund der Fragilität der Justierung wurde darauf verzichtet

Technische Daten

Hersteller:China
Kaliber:R16-1
Anzahl Steine:36
Hemmung:Anker
Unruh-Ausführungen: Nickel-Schraubenunruh
Stoßsicherung(en): China (verschiedene Ausführungen)
Unruhlagerung / Richtung Spirale:Gegenuhrzeigersinn
beweglicher Spiralklötzchenträger:ja
Regulierorgan:Spiralschlüssel
Werksaufbau:
  • Anker
  • Ankerrad, Sekundenrad, Kleinbodenrad, Sekundenrad, Großbodenrad
  • Federhaus
Bauweise:Massivbau
Aufzugstyp:Kupplungsaufzug
Winkelhebelfeder:2 Loch/Löcher
Ausstattung:SCD,s,QG,RDR,AUT,
Funktionen:Stunde, Minute, Sekunde, dezentrale Sekunde, dezentrale Minute, 24-Stunden-Anzeige, Tag/Nacht-Anzeige, Tag
Halbschwingungen pro Stunde:21600
Größe:12 1/2''' (gemessen: 27,9mm)
Inventarnummer:16009

Anwendungsgalerie

Fälschung aus China

Fälschung aus China

Dieses Werk samt Uhr wurde von Günter G. gespendet. Vielen Dank für die Unterstützung des Uhrwerkearchivs!