Q&Q 2604

 
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Q&Q 2604

Beschreibung

Seit den frühen 80er Jahren dominierten Quarzwerke, ganz klar. Mechanische Uhrwerke im unteren Preissegment wurden komplett durch die Quarzwelle überrollt, einzig im Luxussegment konnte man mit Mechanikwerken noch Geld verdienen.

Just in dieser Zeit brachte Q&Q (“Quality and Quantity”), ein südkoreanischer Ableger von Citizen, ein Automaticwerk auf den Markt, das so preisgünstig und dennoch gut ausgestattet war, daß es sich in großer Zahl verkaufen ließ, denn für 40 DM konnte man seinerzeit noch keine wasserdichte Analog-Quarzuhr mit Metallband und Tag/Datumsanzeige erwerben. Das war die Chance für Q&Q, hier Marktanteile zu sichern:

Kaufhauskatalog (Neckermann), Mitte der 80er Jahre

Kaufhauskatalog (Neckermann), Mitte der 80er Jahre

Das Werk, um das es hier geht, ist das Q&Q 2604, ein Automatic-Werk mit Tag/Datumsanzeige und jeder Menge konstruktiver Einsparungsmöglichkeiten, die man von Quarzwerken her kannte.

Grundplatine mit Unruh

Grundplatine mit Unruh

Als erstes wurde an der Unruh gespart. Sie bekam keinen eigenen Kloben mehr, sondern wurde in “gestürzter” Bauweise fix auf der Grundplatine montiert. Mit dabei auch gleich noch eine sehr einfache Regulierungsvorrichtung, optisch nicht gerade schön, aber funktional. Timex läßt grüßen… Mehr dazu später!

Aufzugspartie

Aufzugspartie

Ein sehr praktisches Detail ist die komplett demontierbare Aufzugseinheit, die inklusive Aufzugswelle, Datumskorrektor, Kupplungsrad und Kupplungstrieb außerhalb des Werks zusammengesetzt werden kann. Sie wird anschließend auf die Grundplatine gesteckt, auf der sich festgenietet das untere Zeigerstellrad befindet.

montierte Aufzugseinheit

montierte Aufzugseinheit

Außer der Aufzugseinheut werden auch Winkelhebel und Kupplungshebel lediglich gesteckt. Zur Entnahme der Aufzugswelle wird der Winkelhebel angehoben. Klingt einfach, ist es auch, und funktioniert bestens!

Federhaus mit aufgekuppeltem Rad

Federhaus mit aufgekuppeltem Rad

Auf dem Federhaus befindet sich zifferblattseitig mittels einer Rutschkupplung befestigt, das Antriebsrad für das Minutenrohr. Diese Konstruktion erinnert ein wenig an Roskopf-Kaliber, allerdings wird beim Q&Q 2604 nur das Minutenrohr vom Federhaus angetrieben, nicht aber das Stundenrohr.

Seitenansicht des Federhauses mit drei Verzahnungen

Seitenansicht des Federhauses mit drei Verzahnungen

Das Federhaus selber besitzt drei Zahnringe, der unterste treibt das Minutenrohr an, der mittlere das Werk und mit dem obersten Rad, dem Sperrrad, wird die Feder gespannt, das Werk also aufgezogen.

Bei diesem Werk ist es noch wichtig zu erwähnen, daß das Gesperr nicht wie üblich in das Sperrrad eingreift, sondern in das obere Kronrad. Aus Effizienzgründen ist es als ein Bauteil, einer besonders geformten Feder, ausgeführt. Sehr rationell, aber auch hier wieder sehr funktionssicher.

offenes Gesperr

offenes Gesperr

Die Federhausbrücke hat auf seiner Innenseite das festgenietete Kronrad:

Innenseite Federhausbrücke

Innenseite Federhausbrücke

Wenn die Federhausbrücke montiert ist, kann man den Eingriff des Gesperrs, also der Feder, sehen:

Eingriff der Sperrklinke

Eingriff der Sperrklinke

Das Räderwerk besteht mit Ausnahme des Hemmungsrades aus fast-massiven Messingrädern, so, wie man sie bei Quarzwerken vorfindet.

Räderwerk

Räderwerk

Der Aufbau des Räderwerks ist hierbei klassisch-modern mit direkt angetriebener Zentralsekunde und zifferblattseitig indirekt geführter Minutenanzeige.

Seitenansicht des Räderwerks

Seitenansicht des Räderwerks

Leider bilden bei diesem Werk ausgerechnet die billigsten Bauteile die Hemmung: Ankerrad, Anker und Unruhfinger bestehen nur aus rotem Kunststoff, welcher leider mit der Zeit entweder spröde oder (wie beim vorliegenden Exemplar) zu weich wird. Damit ist eine relativ kurze Lebensdauer leider vorprogrammiert.

Ankerrad

Ankerrad

Die Hemmung ist nach schweizer Bauart konstruiert, das Ankerrad besitzt hierbei wie üblich 15 Zähne.

Anker

Anker

Der Längsanker besitzt zwei Plastikpaletten. Auch er ist in einem Teil herstellt.

Unruh mit Plastikfinger

Unruh mit Plastikfinger

Die Ringunruh ist aus Metall ausgeführt, ihre leicht taillierten Schenkel erinnern ein wenig an Glucydur-Unruhen. Plateau und Finger sind hier leider nur ein gestecktes Plastikteil, und weil das an Plastik noch nicht genügt, bestehen auch die beiden Lager aus zwei Plastikbuchsen. Nicht stoßgesichert, übrigens!

Die Unruh schlägt mit 19800 Halbschwingungen pro Stunde.

Werk ohne Automaticmechanismus

Werk ohne Automaticmechanismus

Der Automaticmechanismus besteht aus sehr wenigen Bauteilen, dem achsengelagerten Rotor mit festem Zahnrad, einem Schwingtrieb und zwei Reduktionsrädern:

Automaticmechanismus

Automaticmechanismus

Außerdem gibt es auf der Innenseite der Automaticplatine noch ein Gesperr, welches in das erste (also rotornächste) Reduktionsrad eingreift. Die Federn für dieses Gesperr und den Schwingtrieb sind aus Plastik ausgeführt und Teil der Automaticplatine.

Oberseite Automaticplatine

Oberseite Automaticplatine

Die Lebensdauer dieser Plastikteile ist natürlich auch wieder nicht allzugroß, wobei es bei den Federn noch keine Probleme gibt, dafür aber ist das Lager des ersten (also rotornächsten und damit am meisten belasteten) Reduktionsrads vollkommen ausgelaufen:

ausgelaufenes Lager des ersten Reduktionsrads

ausgelaufenes Lager des ersten Reduktionsrads

Angesichts dieses Bildes ist es fast schon ein Wunder, daß der Automaticmechanismus funktional noch ohne Einschränkungen arbeitet.

Datumsmechanismus

Datumsmechanismus

Auf der Zifferblattseite befindet sich der Datumsmechanismus, der mit ganzen drei Plastikrädern auskommt und trotzdem eine vollwertige Tag/Datumsanzeige inklusive Schnellkorrektur des Datums realisiert. Chapeau!

Das Stundenrad greift dabei mit seiner oberen sternförmigen Verzahnung in das linke Schaltrad ein, welches auf der Innenseite einen festen Schaltfinger für die Wochentagsscheibe und außen einen beweglichen Schaltfinger für die Fortschaltung des Datum enthält. Das Datum schaltet langsam zwischen 23 und 24 Uhr, dreht man die Zeit rückwärts, so wird das Datum nicht zurückgestellt, nur der Wochentag. Mit diesem Trick kann auch die Sprache des Wochentags, hier deutsch und englisch, gewechselt werden.

große Feder des Datumsrings

große Feder des Datumsrings

Die große Feder des Datumsrings, die für ein sauberes Einrasten sorgt, ist ziemlich genial ausgeführt, sie dient nämlich gleichzeitig aus Abdeckung des Datumsmechanismus. Vermutlich um die Montage zu erleichtern, gibt es aber noch eine weitere Abdeckung der Abdeckung:

Abdeckung der Abdeckung der Kalenderkadratur

Abdeckung der Abdeckung der Kalenderkadratur

Diese weitere Abdeckung enthält auch wieder eine Feder, die aber diesmal auf den innenliegenden Zahnkranz der zweisprachigen(!) Wochentagsscheibe wirkt und diese präzise in Position hält. Konstruktiv eine absolut saubere Lösung!

Q&Q 2604 Zifferblattseite

Q&Q 2604 Zifferblattseite

Die Wochentagsscheibe, die wie der Datumsring natürlich auch aus Plastik besteht, wird durch einen Sprengring in Position gehalten. Da er am Stundenrohr befestigt ist, fungiert er gleichzeitig auch als Rutschkupplung und sorgt dafür, daß der Wochentag um 17 Umdrehung, also zwei Positionen weitergeschaltet wird.

Als Fazit läßt sich sagen, daß dieses Werk einen gelungenen Kompromiß aus Technik und Einsparmöglichkeiten darstellt, aus diesem Grund ist es seinerzeit so erfolgreich gewesen. Eine großartige Lebensdauer darf man natürlich nicht erwarten und auch eine Reparatur zieht sich, vor allem, wenn man vier Räder, den Anker und die Unruh gleichzeitig einfädeln muß, sehr in die Länge, so sehr, daß es ökonomisch nicht sinnvoll ist, und dieses Werk daher als Einweg-Werk gesehen werden muß.

Im Labor

Das hier vorgestellte Werk kam in einem stark verkratzten und beriebenen Gehäuse in die Werkstatt. Schätzungsweise über 10 Jahre tägliches Tragen ohne Rücksicht auf Verluste hinterließen Spuren.

Anscheinend wurde dann das Lebensende dieses Werks erreicht (sichtbar an ausgelaufenen Plastiklagern der Unruhwelle und des Automatikaufzugs und zu weichen Plastik-Achsen des Ankerrads) und man versuchte recht hemdsärmlig durch Fluten des Werks mit Öl, es wieder zum Laufen zu bringen. Die Folge waren eine ölverklebte Unruhspirale und eine Hemmungspartie, deren Teile alle durch die Adhäsionskraft zusammenklebten. "Viel hilft viel" ist eine Binsenweisheit, die in der Uhrmacherei nicht funktioniert!

Das Werk wurde komplett demontiert und gereinigt, aber gegen die weichgewordenen Plastikachsen des Hemmungsrads und die ausgelaufenen Plastiklager kann leider nichts mehr ausgerichtet werden, immerhin tickt das Werk jetzt wieder einige Sekunden, ist also kein Totalschaden im Sinne des Archivs.

Technische Daten

Hersteller:Q&Q
Kaliber:2604
Hemmung:Plastik-Anker
Unruh-Ausführungen: Nickel-Ringunruh
Stoßsicherung(en): keine
Regulierorgan:Spiralschlüssel
Werksaufbau:
  • Anker, Ankerrad, Sekundenrad, Kleinbodenrad, Großbodenrad
  • Federhaus
Bauweise:Pfeilerbauweise
Aufzugstyp:Kupplungsaufzug
Ausstattung:SCD,QG,JG,RDR,AUT
Funktionen:Stunde, Minute, Sekunde, Tag, Wochentag, Automatik-Aufzug
Halbschwingungen pro Stunde:19800
Größe:11 1/2''' (gemessen: 26mm)

Anwendungsgalerie

Q&Q Automatic Herrenuhr

Q&Q Automatic Herrenuhr

Q&Q Automatic Herrenuhr

Q&Q Automatic Herrenuhr

Weitere Werke